Lebensarbeitszeitkonto: Eine Strategie gegen den Fachkräftemangel?

RA Thorsten Siefarth - LogoDie Caritas Gelsenkirchen bietet ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern neuerdings eine flexible Arbeits- und Lebensplanung an. Früher in Rente, mal eine Auszeit oder weniger Wochenstunden arbeiten. Das alles soll mit dem neuen Modell möglich sein – und noch dazu ohne Gehaltseinbußen! Mit diesen Vorteilen für die Mitarbeiter will die Caritas nicht zuletzt auch dem Fachkräftemangel begegnen.



Schon vor 67 in Rente gehen

Auf seiner Webseite stellt die Caritas Gelsenkirchen eine Sozialarbeiterin vor, die sich für das Caritas-Flex-Konto entschieden hat. Die 30-Jährige hat durch Ausbildung, nachgeholtes Abitur und anschließendes Studium noch nicht viel in die Rentenkasse eingezahlt. „Durch das Ansparen der Arbeitszeit könnte ich trotzdem schon eher als mit 67 Jahren in Rente gehen“, sagt die Caritasmitarbeiterin.

Reizvoll sei für sie das Arbeitszeitmodell auch mit Blick auf ihre Familienplanung: „So wie ich jetzt einzahle, könnte ich zum Beispiel schon in sechs Jahren ein halbes Jahr lang nur die Hälfte arbeiten gehen.“ Die fehlenden Stunden würden vom Flex-Konto ausbezahlt. So würde die Mitarbeiterin auf ihr normales Gehalt kommen. „Vielleicht aber“, so sagt sie weiter, „gehe ich mit 50 auch einfach mal ein Jahr nach Afrika und mache ein Sabbatjahr.“

Arbeit soll mit Flex-Konto attraktiver werden

Die Flexibilität für die Mitarbeitenden ist auch für den Dienstgeber ein Pluspunkt. Caritasdirektor Peter Spannenkrebs: „In Zeiten des Fachkräftemangels wird die Arbeit bei der Caritas so noch attraktiver. Das Flex-Konto ist ein starkes Argument für aktuelle und zukünftige Mitarbeiter.“ Da bei der Caritas auch Menschen mit geringem Einkommen arbeiten, hält der Verband die Hürden möglichst niedrig: Langfristig reicht es, wenn Beschäftigte mindestens 25 Euro im Monat bzw. 300 Euro im Jahr ansparen.

Den Anstoß für die Einführung des Caritas-Flex-Kontos gab die gesetzliche Anhebung des Renteneintrittsalters, wie der Caritasdirektor erklärt: „Die Vorstellung, dass Mitarbeiter in der Pflege bis 67 noch voll ihre Frau oder ihren Mann stehen können, ist für viele sehr unrealistisch.“ Auf der Suche nach Möglichkeiten für diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sei der Caritasverband auf Lebensarbeitszeitmodelle gestoßen.

Quelle: Pressemitteilung der Caritas Gelsenkirchen vom 27.7.2016

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